Das
Bibermobil - Projektbeschreibung
Kurzbeschreibung
Der Biber ist ein sympathischer Nager und ein
begabter Baumeister. Jetzt hat er die Flüsse der Wetterau
zurückerobert, an vielen Stellen sind schon seine Bissspuren
an den Bäumen des Ufersaums zu erkennen.
Das Interesse am Biber ist groß und insbesondere Kinder und
Jugendliche sind leicht für dieses Tier zu begeistern.
Der Biber steht aber auch stellvertretend für eine ganze
Lebensgemeinschaft: Für die Tiere und Pflanzen der
Fließgewässer und Auen. Damit verbunden ist die
Notwendigkeit des schonenden Umgangs mit der Ressource Wasser
und der naturnahen Umgestaltung der kanalisierten Flüsse.
Aktives Handeln für Natur und Umwelt kann
nur durch die direkte Erfahrung erzielt werden. Ideal ist ein
aufsuchendes Bildungsangebot, das den unmittelbaren
Lebensbereich der Teilnehmer mit einbezieht.
Das Bibermobil ist ausgestattet mit didaktischem Material,
Anschauungsobjekten sowie Untersuchungsgerätschaften und
erlaubt eine umfassende Erkundung von Fließgewässern und von
ihrem Umfeld. Untergebracht in einem Kastenwagen kann es
direkt an den Untersuchungsort fahren und vor Ort Erlebnisse
und Erkenntnisse ermöglichen. Über die aufsuchende
Bildungsarbeit können so gleichzeitig mehr und insbesondere
auch sozialschwache oder weniger mobile Teilnehmer erreicht
werden.
Bedarf: Warum ein Bibermobil
Der Schutz von Güte und Menge der Süßwasserressourcen ist
ein wichtiges Ziel der bereits 1992 in Rio de Janeiro von der
UN aufgestellten Agenda 21 (siehe u.a. Kapitel 18). Ferner
stellt darin die Förderung der Schulbildung und des
öffentlichen Bewusstseins (Kapitel 36) ein wichtiges Ziel
dar.
Mit der Erklärung der Periode von 2005 bis 2014 zur
UN-Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung"
werden die Ziele des Kapitels 36 noch einmal unterstrichen und
gezielt in den Fokus genommen.
Parallel dazu gibt die von der Europäischen Union erlassene
Wasserrahmen-Richtlinie einen klaren zeitlichen und
qualitativen Rahmen für die Renaturierung von
Fließgewässern und den Umgang mit der Ressource Wasser vor.
In der Wetterau sind die Flüsse und Auen die Lebensräume mit
der höchsten Biodiversität, eine Konzentration
naturschutzfachlicher Entwicklungsmaßnahmen in diesen
Bereichen hat oberste Priorität.
Mit dem zurückgekehrten Biber haben diese Lebensräume
neben dem Weißstorch einen weiteren Sympathieträger
bekommen. Mit Hilfe dieser Sympathieträger lässt sich die
Gesamtthematik attraktiv verpacken, was die Ansprache
breiterer Teilnehmerkreise wesentlich erleichtert.
Während Umweltmobile (vgl. www.umweltmobile.de)
in den meisten deutschen Bundesländern zur Grundausstattung
der - meist staatlich getragenen - Umweltbildungsarbeit
gehören, fehlen die aufsuchenden Angebote in Hessen nahezu
ganz. Mit dem Bibermobil kann diese Lücke mindestens für den
Wetteraukreis, eventuell auch für die angrenzenden
Landkreise, geschlossen werden.
Bildungstheoretische
Ausrichtung / Themenschwerpunkte
Das Bildungsangebot soll sich an den Grundsätzen einer
"Bildung für nachhaltige Entwicklung" orientieren
und bei der UNESCO als UN-Weltdekade-Projekt angemeldet
werden.
Entsprechend werden die Bildungsarrangements stets
mehrdimensional angelegt und Perspektivwechsel - z.B. in
Planspielen - ermöglicht, durch die ökologische, soziale und
ökonomische Aspekte gleichermaßen beleuchtet werden.
Global bedeutsame Themen, wie die Verfügbarkeit sauberen
Trinkwassers für alle Menschen auf der Welt, werden lokal
verortet. Damit können die Teilnehmer leichter angesprochen
werden und erhalten die notwendigen Anknüpfungspunkte zur
Ausbildung ihrer Handlungskompetenzen.
Folgende Lernziele werden
gesetzt:
- Der
Biber: Biologie und Lebensweise; Indikatorfunktion für
die Biodiversität
- Lebensgemeinschaften,
ökologische Netze und Ausstattung der Lebensräume
Fließgewässer und Auen kennenlernen.
- Methoden
zur Bewertung von Fließgewässern:
Gewässerstrukturgüte, biologische Gewässergüte,
chemische Gewässergüte bestimmen lernen.
- Globale
Wasserkreisläufe, Fließgewässersysteme,
Landschaftsentwicklung im Einfluss des Wassers erkennen.
- Bedeutung
sauberer Fließgewässer, Bedeutung von Auengebieten als
Zonen der Hochwasserretention, Bedeutung der
Biodiversität für das Überleben des Menschen
erfahren.
- Die
Auswirkungen des Klimawandels auf Fließgewässer und
die Verfügbarkeit sauberen Trinkwassers einschätzen
lernen.
- Unterschiedliche
regionale Verfügbarkeit von Trinkwasser und die
Milleniumsziele zur Versorgung mit sauberem Trinkwasser
kennenlernen.
- Erarbeitung eigener Nachhaltigkeitsziele und Überdenken
der eigenen Konsumgewohnheiten.
Einsatzgebiete / Zielgruppen
Das Bibermobil wird zunächst im Wetteraukreis unterwegs sein.
Eine Ausweitung des Einsatzgebietes auf die benachbarten
Landkreise ist denkbar, nach Ablauf des Projektzeitraumes
steht das Bibermobil für einen landesweiten Einsatz bereit
und kann vom NABU Hessen übernommen werden.
Grundsätzlich richtet sich das Angebot an alle
Altersklassen und kann sowohl von Kindergärten und Schulen
als auch von weiteren Bildungseinrichtungen, Vereinen sowie
Städten und Gemeinden gebucht werden.
Schwerpunktmäßig sollen die Schulen von dem Angebot
profitieren. Diese können das Bibermobil als Ergänzung der
lehrplanmäßigen Behandlung des Themenkomplexes buchen und
damit die theoretische Stoffvermittlung um
handlungsorientierte Ansätze ergänzen. Auch die Gestaltung
von Projektwochen, Wanderwochen, Wahlpflichtangeboten und von
AGs an Ganztagsschulen wird angeboten.